Barolo ist der Wein für den Abend, an dem man es sich gemütlich macht und nirgends mehr hin muss. Er kommt aus dem Piemont, aus dem Nebel, der den Hügeln um Alba seinen Namen gab, und er hat es nie eilig: Kirsche, Rose, ein Hauch Teer, darunter ein festes, elegantes Rückgrat. Man gibt ihm ein bisschen Zeit im Glas. Er revanchiert sich mit Zinsen.
Die Familie Ascheri zählt zu den etablierten Erzeugern des Piemont und hat sich auf Barolo spezialisiert. Der Wein trägt die Klassifikation Barolo DOCG — Denominazione di Origine Controllata e Garantita, die höchste Stufe des italienischen Herkunftsrechts. Sie lässt für Barolo ausschließlich Nebbiolo zu, grenzt das Gebiet auf wenige Gemeinden südwestlich von Alba ein und schreibt eine mehrjährige Reifezeit vor.
Nebbiolo bringt von Natur aus wenig Farbe ins Glas; ein Barolo wirkt oft heller, als seine Kraft vermuten lässt, und geht mit den Jahren ins Granatrot über. In der Nase die sortentypischen Noten von Kirsche, Rose und Teer, dahinter Gewürz und Holz aus der Fassreife. Am Gaumen prägt das Tannin den Wein: fest, griffig und getragen von hoher Säure, mit einem langen, trockenen Abgang.
Geschmortes, Wild, ein gereifter Hartkäse — dazu gehört er, und zu einem Abend, an dem man in Ruhe beim Wein sitzen bleibt. Wer mag, gibt ihm zwei Stunden Luft oder eine Karaffe; er belohnt jede Minute davon. Man kann ihn aber auch einfach einschenken und ihm beim Aufwachen zusehen. Langweilig wird es dabei nie.
Eine Flasche reicht für einen Abend, den man so schnell nicht vergisst — bei Barolo ist die klassische 0,75-Liter-Größe genau richtig. Jung ist er schon zugänglich, aber die nächsten fünf bis fünfzehn Jahre machen ihn nur größer. Man könnte ihn also getrost weglegen und geduldig warten. Oder man stellt fest, dass Geduld ohnehin überbewertet ist, und macht ihn heute auf.